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Foodcoop für alle

Short description

Als neues gemeinschaftliches Wohnprojekt in Lichtensteig SG bauen wir eine Versorgungsbasis auf. Wir möchten dabei Strukturen entwickeln und testen, die dazu führen, dass unsere Foodcoop nicht nur für die eigenen Bewohner:innen, sondern auch für Aussenstehende aus der lokalen Bevölkerung ein attraktiver Einkaufsort und damit Eintrittstor zu einer nachhaltigeren Ernährung wird.

Contact person for the project

Wohnnetz Lichtensteig
Vincent, Maurice
mail@wohnnetz.org
Lichtensteig

Detailed description

What deeper problem are you addressing?

Wir fokussieren auf die folgende der vier ausgeschriebenen Challenges im Bereich "Gute Ernährung für Alle": "Wie könnten wir gutes Essen für jeden Haushalt erschwinglich und zugänglich machen – durch neue Finanzierungs- und Anreizmodelle – um gute Ernährung als öffentliches Gut zu verankern, nicht als Premium-Nische?" Gute, nachhaltige Ernährung ist für viele Haushalte weder selbstverständlich erschwinglich noch niedrigschwellig zugänglich. Zwar existieren zahlreiche alternative Versorgungsmodelle wie Foodcoops, Mitgliederläden oder solidarische Einkaufsinitiativen, doch erreichen sie meist nur ein sozial-ökologisch sensibilisiertes, privilegiertes Milieu. Für breite Bevölkerungsschichten sind solche Angebote zu teuer, zu umständlich oder zu wenig kompatibel mit unterschiedlichen Alltagsrealitäten. Gleichzeitig dominieren Supermärkte, weil sie als günstig, flexibel und bequem gelten. Nachhaltige Alternativen schaffen es bislang kaum, diese Qualitäten zu kombinieren. Dadurch bleibt nachhaltige Ernährung vielerorts ein Zusatzangebot für bewusste Konsument:innen statt ein alltagstauglicher Bestandteil der Grundversorgung.

Which habits or practices do you want to change — and how?

Die meisten Menschen kaufen Lebensmittel spontan und flexibel im Supermarkt ein. Diese Routinen sind tief verankert. Wir möchten erreichen, dass nachhaltige Lebensmittel regelmässig über alternative Versorgungsstrukturen bezogen werden – ohne vollständige Verhaltensänderung, sondern durch die Integration eines zusätzlichen, nachhaltigen Einkaufsortes in bestehende Routinen. Im Fokus stehen zunächst die Bewohner:innen unseres gemeinschaftlichen Wohnprojekts «Wohnnetz» sowie ausgewählte Haushalte in Lichtensteig. Ziel ist ein Angebot, das als einfach zugänglich, preislich akzeptabel und alltagstauglich erlebt wird und damit einen relevanten Teil des Grundbedarfs abdeckt.

Who will benefit — and how could your idea create impact beyond this project?

Unser Ansatz schafft Wirkung auf drei Ebenen: • Lokale Bevölkerung: Sie erhält Zugang zu einem niederschwelligen, preislich konkurrenzfähigen Angebot nachhaltiger Lebensmittel, das über klassische Nischenmodelle hinausgeht und auch weniger affine Zielgruppen anspricht. • Bewohner:innen des «Wohnnetz»: Sie profitieren von direkter Versorgung, Mitsprache und der Möglichkeit, ein innovatives Modell praktisch mitzugestalten. • Andere Wohnbaugenossenschaften: Es entsteht ein übertragbares Modell, wie gemeinschaftlich getragene Strukturen zur lokalen Grundversorgung beitragen können – insbesondere in kleineren Städten. Langfristig kann der Ansatz dazu beitragen, nachhaltige Ernährung als Teil lokaler Infrastruktur zu etablieren statt als individuelle Konsumentscheidung.

Has the idea already been tested — and if so, what did you learn?

Einzelne Elemente unseres Ansatzes wurden in verschiedenen Kontexten erprobt, jedoch mit begrenzter Reichweite: • Interne Foodcoops funktionieren für die Eigenversorgung, entfalten aber kaum Wirkung nach aussen. • Lager-Foodcoops mit Mitgliedschaft bieten stabile Strukturen, bleiben jedoch aufgrund von Zugangshürden Nischenangebote. • Bioläden und Unverpackt-Läden scheitern häufig an hohen Fixkosten oder mangelnder Alltagstauglichkeit. • Unbediente Hofläden und 24h-Shops zeigen, dass niederschwelliger Zugang funktioniert, bieten aber meist kein breites Sortiment. In Lichtensteig existieren bereits Initiativen wie das «Bestellcafé» oder das entstehende «Netzwerk Nahversorgung». Sie zeigen vorhandenes Interesse, fokussieren aber noch nicht auf alltagstaugliche Grundversorgung. Unser Projekt versteht sich daher bewusst als Pilot: Wir testen unter realen Bedingungen, ob eine gemeinschaftlich getragene Foodcoop mit niedrigen Zugangshürden im Alltag genutzt wird – und arbeiten dafür eng mit bestehenden lokalen Initiativen zusammen.

What do you want to work on during the booster — and what do you want to find out?

Während des Booster-Programms führen wir einen sechsmonatigen Pilotbetrieb einer öffentlich zugänglichen Foodcoop im Wohnprojekt «Wohnnetz» durch. Der Pilot ist als Verhaltensexperiment mit rund 50 Haushalten aus Lichtensteig angelegt, rekrutiert über Nachbarschaft, Mittwochsmarkt und lokale Kanäle. Die teilnehmenden Haushalte erhalten für drei bis sechs Monate einen unkomplizierten Zugang zur Foodcoop – inklusive Startguthaben, flexiblen Zugangs- und Bezahlsystemen und Nutzung ohne Verpflichtungen. Parallel bauen wir die Foodcoop iterativ auf und testen unterschiedliche Varianten von Sortiment, Preisstruktur, räumlicher Gestaltung, Sichtbarkeit und Kommunikationsformaten. Wir beobachten systematisch Nutzungsmuster und führen qualitative Gespräche mit Teilnehmenden und Bewohner:innen. Ziel ist nicht maximale Reichweite, sondern ein tiefes Verständnis dafür, welche Faktoren entscheidend sind, damit ein solches Angebot im Alltag angenommen wird.

What is your most important learning goal — and how would you know if you need to change course?

Unser zentrales Lernziel ist zu verstehen, unter welchen Bedingungen Menschen ausserhalb der klassischen Foodcoop-Zielgruppe das Angebot nutzen und ob es gelingt, Teil ihrer Einkaufsroutinen zu werden. Wir beobachten drei Verhaltensstufen: 1. Erstnutzung: Probieren Menschen das Angebot überhaupt aus? 2. Wiederkehr: Entsteht aus dem ersten Einkauf eine regelmässige Nutzung? 3. Stabilität: Bleibt die Nutzung bestehen, wenn anfängliche Anreize wegfallen? Wir müssen nachjustieren, wenn eine dieser Stufen nicht erreicht wird: Wenn wenige testen → Zugang, Sichtbarkeit, Ansprache anpassen. Wenn wenige zurückkehren → Sortiment, Preise, Praktikabilität überarbeiten. Wenn Nutzung nur durch Anreize getragen wird → Angebot alltagstauglicher gestalten. Parallel prüfen wir, ob die organisatorische Trägerschaft durch das Wohnprojekt langfristig tragfähig ist oder angepasst werden muss.

Who are your concrete test partners?

Verein "Wohnnetz Lichtensteig": Wir sind Antragsteller und Umsetzungspartner zugleich.

What do you hope to get from the booster?

Finanzielle Unterstützung für die Ausarbeitung des Betriebskonzeptes und den Aufbauf der Modell-Infrastruktur, Startguthaben für  und teilweise Übernahme des Risikos beim Testen verschiedener Modi oder bei der Notwendigkeit von Anpassungen Ressourcen für die Begleitung des Prozesses sowohl für die Gruppe der Bewohner:innen als auch der externen Kund:innen betriebswirtschaftliche Expertise, insb. Marketing

Who is on your team — and what is each person's or organisation's role?

Unser Projektteam vereint lokale Verankerung, praktische Erfahrung und fachliche Expertise:     Verein Wohnnetz Lichtensteig — Antragsteller und Umsetzungspartner. Verantwortlich für Aufbau, Betrieb und Koordination der Foodcoop.     Maurice Vincent & Benjamin Dominitz — Initianten der Versorgungsbasis, Projektkoordination, Schnittstelle zu Bewohner:innen und externen Partnern; Erfahrung im Projektmanagement.     Zukünftige Bewohner:innen des «Wohnnetz» — tragen den Pilotbetrieb personell und finanziell mit, wirken an Sortiment, Abläufen und Tests mit und bilden die interne Basisnachfrage.     Gemeinschaftliche Wohnprojekte «Stadtufer» und «zukunft.bahnhof» — Kooperationspartner mit Erfahrung im Aufbau von Foodcoops und starker lokaler Vernetzung (u. a. Martin Handschin, Sabina Gränicher).     Susanna Stockhammer (ehem. Bioladen «PaRadiesLi») — bringt wertvolle Praxiserfahrungen aus dem lokalen Detailhandel ein.     Gemeinde Lichtensteig (Gemeindepräsident, Umweltkommission, Standortförderung) — unterstützt durch Vernetzung, lokale Kommunikation und strategische Begleitung.     Externe Expert:innen in Innenarchitektur, Detailhandels-Betriebswirtschaft und Food-Marketing — punktuelle Beratung zu Ladenkonzept, Wirtschaftlichkeit und Vermarktung. Gemeinsam bilden wir ein Team, das sowohl die lokale Einbettung als auch die fachliche Tiefe mitbringt, um ein tragfähiges Modell nachhaltiger Nahversorgung zu entwickeln.

Who do you need as an expert to further develop your idea?

Vom Booster erhoffen wir uns drei zentrale Mehrwerte:     Fachliche Unterstützung in Bereichen, die für den Erfolg des Pilots entscheidend sind: insbesondere betriebswirtschaftliche Expertise, Marketing-Know-how und punktuelle Beratung zu Ladenbau, Nutzerführung und Sortimentierung.     Ressourcen für Prozessbegleitung, um sowohl die Bewohner:innen des «Wohnnetz» als auch die externen Testhaushalte eng zu begleiten, qualitative Erkenntnisse zu sammeln und die Foodcoop iterativ weiterzuentwickeln.     Finanzielle Entlastung in der Aufbau- und Testphase, insbesondere für Einrichtung, Zugangssysteme, Starguthaben für teilnehmende Haushalte, Anpassungen während des Experiments sowie die Entwicklung eines tragfähigen Betriebskonzepts. Kurz: Wir möchten die Chance nutzen, ein ambitioniertes Pilotprojekt unter realen Bedingungen mit professioneller Unterstützung zu testen.